Fusionsverlust

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Vorbemerkung

Ist der Buchwert der Beteiligung an der Tochtergesellschaft bei der Absorption höher als das buchmässige Eigenkapital (Kapitalkonto, offene Reserven) der Tochtergesellschaft, so erzielt die Muttergesellschaft einen buchtechnisch bedingten Fusionsverlust (sog. negative Übernahmedifferenz). Verfügt die Tochtergesellschaft über stille Reserven, so decken diese den sog. Fusionsverlust i.d.R. ab. Die Muttergesellschaft kann den Fusionsverlust entweder zulasten ihrer vorhandenen offenen Reserven ausbuchen oder diesen aktivieren, um es in Zukunft zulasten der Gewinne abzuschreiben. 
Ob die Abschreibung eines Fusionsverlustes steuerlich anerkannt wird, richtet sich danach, ob ein echter oder unechter Fusionsverlust vorliegt. Ein echter Fusionsverlust liegt dann vor, wenn die Beteiligung an der Tochtergesellschaft vor der Fusion überbewertet war. Die Muttergesellschaft hätte die Beteiligung vor der Fusion auf den inneren Wert abschreiben müssen, was steuerlich anerkannt worden wäre. Ein unechter Fusionsverlust ist dann zu bejahen, wenn kein effektiver Verlust vorliegt, sondern dieser rein buchtechnisch bedingt ist. Dieser Fusionsverlust kann durch stille Reserven der übernommenen Tochtergesellschaft abgedeckt werden. Art. 61 Abs. 5 DBG bestimmt, dass ein unechter Fusionsverlust steuerlich nicht anerkannt wird. 


Gesetzestext

Art. 611 DBG - Umstrukturierungen

Entsteht durch die Übernahme der Aktiven und Passiven einer Kapitalgesellschaft oder einer Genossenschaft, deren Beteiligungsrechte der übernehmenden Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft gehören, ein Buchverlust auf der Beteiligung, so kann dieser steuerlich nicht abgezogen werden; ein allfälliger Buchgewinn auf der Beteiligung wird besteuert.

Fassung gemäss Anhang Ziff. 7 des Fusionsgesetzes vom 3. Okt. 2003, in Kraft seit 1. Juli 2004 (AS 2004 2617; BBl 2000 4337).

Steuerfolgen eines Fusionsverlusts

Bilanz Muttergesellschaft

Bilanz Tochtergesellschaft

          UV

        1'000

400

Schulden

           UV

        400

100

Schulden

       Bet. T

          400

200

AK

          

       

200

AK

 

 

800

Reserven

 

       

100

Reserven

        Total

        1'400

1'400

Total

        Total

      400

400

Total

Stille Reserven: 0                                                                        Stille Reserven: 200



Bilanz Muttergesellschaft

(nach Tochterabsorption)

UV

1'400

500

Schulden

 

 

200

AK

 

 

700

Reserven (inkl. Fusionsverlust)

Total

1'400

1'400

Total

Stille Reserven: 0

Um die Differenz zwischen dem Wert der Beteiligung an der Tochtergesellschaft (400) und dem Eigenkapitalwert der Tochtergesellschaft (300) reduzieren sich die Reserven der Muttergesellschaft. Da aber die Beteiligung bei der Muttergesellschaft nicht überbewertet ist und die Tochtergesellschaft über stille Reserven verfügt, welche den Fusionsverlust von 100 ausgleichen können, liegt ein unechter Fusionsverlust vor. Dieser Verlust kann gemäss Art. 61 Ab. 5 DBG steuerlich nicht abgeschrieben werden.

Würde die Tochtergesellschaft über keine stillen Reserven verfügen, so wäre der Fusionsverlust echt, d.h. die Abschreibung des echten Fusionsverlustes wird steuerlich anerkannt.