Mantelhandel

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Vorbemerkung

Als Mantelhandel bezeichnet man die Veräusserung der Mehrheitsbeteiligung an einer Kapitalgesellschaft, die wirtschaftlich liquidiert oder in liquide Form gebracht worden ist. Die Gesellschaft ist dann wirtschaftlich liquidiert oder in liquide Form gebracht, wenn die Aktiven nur noch aus Bankguthaben, Wertschriften oder Darlehen gegenüber den Kapitalanteilsberechtigten bestehen und die Gesellschaft jegliche betriebliche Tätigkeit eingestellt hat. 

Die formell zivilrechtliche Liquidation wird allerdings aus steuerrechtlichen Gründen nicht vorgenommen, weil mit der zivilrechtlichen Liquidation der Kapitalgesellschaft einkommenssteuerrechtliche Konsequenzen verbunden sind, d.h. die Substanzdividende aus dem Liquidationserlös würde gemäss Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG bzw. Art. 7 Abs. 1 StHG der Einkommensteuer unterliegen.

Durch den Verkauf bzw. Kauf der Beteiligungsrechte verfolgt der Verkäufer bzw. der Käufer folgende Interessen:
  • Der Verkäufer möchte durch den Verkauf der Kapitalanteilsscheine einen steuerfreien privaten Kapitalgewinn gemäss Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. Art. 7 Abs. 4 lit. b StHG realisieren. 
  • Der Käufer würde einerseits die mit einer Neugründung verbundenen Kosten (Beurkundungskosten, Emissionsabgabe) einsparen und andererseits von allfälligen Verlustvorträgen profitieren. 
Der Mantelhandel ist handelsrechtlich unzulässig, weil damit die Bestimmungen über die Liquidation und Neugründung einer Kapitalgesellschaft umgangen werden. Nach Durchführung eines Vernehmlassungsverfahrens kann der Handelsregisterführer von Amtes wegen die Löschung der Gesellschaft anordnen, wenn er von einem Mantelhandel Kenntnis erhält (vgl. dazu Art. 155 HRegV).



Checkliste - Steuerfolgen bei Mantelhandel

                                Steuern für
Steuerarten  
gehandelte Kapitalgesellschaft verkaufenden Gesellschafter (natürliche Person, Aktien im Geschäftsvermögen)  verkaufenden Gesellschafter (juristische Person)kaufenden Gesellschafter
Direkte Steuern (DBG /StHG)- allfällige Verlustvorträge gehen verloren, da gewinnsteuerrechtlich von Neugründung ausgegangen wird
- allenfalls Löschung von Amtes Wegen durch Handelsregisteramt (Art. 155 HRegV)
- kein steuerfreier privater Kapitalgewinn, sondern Behandlung als Liquidationsdividende, die der Einkommenssteuer unterliegt (Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG bzw. Art. 7 Abs. 1 StHG)
- der steuerbare Beteiligungsertrag ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Verkaufspreis der Kapitalanteilsrechte und deren Nennwert und der ausgewiesenen Reserve aus Kapitaleinlagen (Kapitaleinlageprinzip)
- Beteiligungsabzug prüfen (Art. 20 Abs. 1bis DBG; Art. 7 Abs. 1 StHG)
- Behandlung als Liquidationsdividende, die der Einkommenssteuer unterliegt Art. 20 Abs. 1 lit. c DBG bzw. Art. 7 Abs. 1 StHG)
- Beteiligungsabzug prüfen (Art. 18b DBG; Art. 7 Abs. 1 StHG)
-
Verrechnungssteuer- auf der Liquidationsdividende ist die Verrechnungssteuer abzuführen (Art. 4 Abs. 1 lit. b VStG)
- Liquidationsdividende entspricht der Differenz zwischen dem Verkaufspreis und dem Nennwert der veräusserten Kapitalanteilsrechte 
Überwälzung der VerrechnungssteuerÜberwälzung der Verrechnungssteuer    -
Stempelabgaben (StG, Emissionsabgabe / Umsatzabgabe)-Solidarhaftung für geschuldete Emissionsabgabe (Art. 10 Abs. 1 StG)Solidarhaftung für geschuldete Emissionsabgabe (Art. 10 Abs. 1 StG)die Emissionsabgabe ist geschuldet (Art. 5 Abs. 2 lit. b StG i.V.m. Art. 5 Abs. 1 lit. a StG)